"Wir brauchen unbedingt einen Computer, ich rechne doch die Zahlen nicht ständig mit dem Taschenrechner aus", sagte er zum Chef eines Kärntner Bauunternehmens während seiner Zeit als Ferialpraktikant. Gesagt, getan. Der Computer wurde wirklich gekauft, die dazu notwendigen Programme waren im Budget jedoch nicht mehr drinnen. So mußte sich der damals 18jährige St. Michaeler Günther Pauritsch daran machen, sich durch Bände von Büchern und Unterlagen zu wühlen, um das nötige Rüstzeug zu bekommen, damit er die Computerprogramme selbst schreiben konnte. Denn mittlerweile wurde der Chef schon ungeduldig und wollte Ergebnisse für seine Investitionen sehen.Beginn. Nächtelang saß er beim "Kastl" und probierte und probierte. Schließlich wurde seine Mühe belohnt, und das System funktionierte. Dies sollte der Beginn sein, um in weiterer Folge der EDV-Branche treu zu bleiben, obwohl er eigentlich im Bereich des Hüttenwesens tätig sein sollte. Denn nach der Matura zog es ihn an die Leobener Montanuniversität.
Die Ferialarbeiten in Kärnten sollten jedoch immer ausgedehnter werden, dazu ergab sich noch die Möglichkeit, bei einem Leobener EDV-Unternehmer im Bereich des PC-Verkaufs tätig zu werden. Somit blieb immer weniger Zeit für das Studium, das er schließlich vier Prüfungen vor dem Abschluß an den Nagel hängte.
Mittlerweile führt er gemeinsam mit seiner Frau Brigitte das Leobener Unternehmen selbst und beschäftigt sieben Mitarbeiter. "Server" sind sein Spezialgebiet, Rechenanlagen für Großbetriebe, die er österreichweit beliefert. Zwölf-bis 14-Stunden-Arbeitstage sind zur Selbstverständlichkeit geworden, Wochenende kennt er kaum mehr eines. So nebenbei werden noch 40.000 Kilometer jährlich mit dem Auto heruntergespult.
Spaß. "Die Arbeit macht mir aber trotzdem unheimlich Spaß", meint er, der kürzlich vom amerikanischen Computererzeuger IBM nach Malta eingeladen wurde, um eine seltene Auszeichnung in Empfang zu nehmen. "Business Partner Of The Year 1998" steht auf dem Zertifikat, das ihm überreicht wurde. Nur fünf österreichische Unternehmen gibt es, die diese Auszeichnung für ihre erfolgreichen Geschäftstätigkeiten im Jahr 1998 bekommen haben.
"Im Vergleich zu anderen Unternehmen spiele ich mit meiner kleinen Firma nur in der Unterliga mit", sagt Pauritsch ganz bescheiden, während Telefon und Handy schon wieder gleichzeitig läuten. Anrufe von großen österreichischen Firmen, die fachlichen Rat brauchen, dazwischen kurze Gespräche mit seinen Technikern, und schon gehts wieder ab ins Auto. Der nächste Termin in Wien wartet.
Wenn dann einmal Zeit bleibt, freut er sich, mit seiner 17jährigen Tochter Tanja und seiner Frau über die Schipisten zu flitzen. Schifahren war immer schon seine große Leidenschaft. Dies zeigt sich auch in seiner schon 1978 abgeschlossenen Ausbildung zum steirischen Berufsschilehrer. In den Sommermonaten spielt er gerne Tennis, "da wird das Handy aber ausgeschaltet", lacht der erfolgreiche Unternehmer
(Kleine Zeitung – 30. Mai 1999)